Friedrich Weygand (1911 - 1969)

Friedrich Weygand studiert Chemie an der Universität Frankfurt. Mit dem Thema "Synthese des Lactoflavins und anderer Flavine" promoviert er 1936 bei Kuhn am KWI für Medizinische Forschung in Heidelberg. Einem 15monatigen postdoc Aufenthalt bei Sir Robinson folgen weitere Arbeiten über N-Glykoside, die Amadori-Umlagerung und 1940 mechanistische Studien über die Osazonbildung.
1943 wird Weygand a.o. Professor in Straßburg. Nach einer Internierung in den USA kehrt er zu Freudenberg an die Universität Heidelberg zurück. Seine intensive und erfolgreiche Arbeit an Naturstoffen wird 1953 belohnt durch einen Ruf an das Institut Wittigs in Tübingen und 1955 wird Weygand Ordinarius an der Universität Berlin in Charlottenburg. Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit wird die Aufklärung der Biosynthese des Leucopterins des Kohlweißlings.

Bereits Anfang der 50er Jahre erkennt Weygand die große Bedeutung stabiler und radioaktiver Isotope, sowie der multiplen Verteilung für die Organische Chemie und die Biochemie. Er setzt diese Techniken zusammen mit Mothes und Simon konsequent zur Aufklärung der Biosynthese von Mutterkorn- und anderer Alkaloide, sowie des Cumarins ein. In dieser Zeit wird Weygand Mitherausgeber der Zeitschrift für Naturforschung, Hoppe Seylers Zeitschrift für Physiologische Chemie und Tetrahedron.
Gemeinsam mit Bestmann entwickelt er allgemeine Methoden zur Umwandlung von Carbonsäuren in Hydroxyaldehyde, Ketoaldehyde und Hydroxysäuren, die insbesondere in der Kohlenhydratchemie von Bedeutung sind. Hinzu kommen eine ganze Reihe weiterer wichtiger Syntheseverfahren für die "normale" Organische Chemie.
1958 wird Weygand als Nachfolger von von Goldschmidt an die Technische Hochschule München berufen. Er wird Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Leopoldina in Halle. In München konzentriert er sich nun zunehmend auf die bereits 1952 begonnen Arbeiten an Peptiden, vor allem mit N-Trifluoracetyl-aminosäuren.

Er entwickelt zusammen mit Prox grundlegende analytische Verfahren zur quantitativen Aminosäurebestimmung und Sequenzanalyse unter Einsatz von Gaschromatographie und Massenspektroskopie.
Im Bereich der Peptidsynthese arbeitet Weygand zusammen mit Steglich an Schutzgruppen vor allem für die funktionalisierten Aminosäureseitenketten, wie zum Beispiel dem p-Methoxy-benzyloxycarbonyl-Rest für die Aminofunktion, die 2,4-Dimethoxy- und 2,4,6-Trimethoxy-benzyl-Reste zum Schutz der Amidgruppe und die besonders für die Iminofunktion des Histidins geeignete 2,2,2-Trifluor-1-acylaminoethyl-Schutzgruppe.

Friedrich Weygand erhält zahlreiche Preise und Ehrungen, unter anderem 1961 die Emil-Fischer-Medaille der GDCh.

© Copyright 2000, Dr. Eric Fontain, TUM