Hans Fischer (1881 - 1945)

Die Nachfolge Wielands, nicht nur als Ordinarius für Organische Chemie, sondern auch als hervorragender Naturstoffchemiker und schließlich auch als Nobelpreisträger, tritt dann Hans Fischer an.
Hans Fischer, Sohn eines Industriechemikers der Farbwerke Kalle & Co. in Wiesbaden, studiert zunächst Chemie und Medizin in Marburg und promoviert 1904 bei Zincke mit der Arbeit "Beiträge zur Kenntnis der 4-Oxy-1,2-toluylsäure". Sein Lehrer empfiehlt ihn dann dem Münchner Kliniker v.Müller, der bereits früh die Bedeutung des Blutfarbstoffs und seiner pathologischen Veränderungen erkannt hatte. 1908 promoviert Fischer in Medizin mit einer Arbeit "Zur Kenntnis des carcinomatösen Mageninhalts" und begibt sich auf einen einjährigen Forschungsaufenthalt nach Berlin zu E.Fischer, wo er über Peptide und Zucker arbeitet.
Zurück in München beginnen die grundlegenden Arbeiten über die Pyrrole und ihre Farbstoffe. Der Habilitation 1912 "Über Urobilin und Bilirubin" folgen Ordinariate in Innsbruck und Wien, wo er, eingespannt in die umfangreiche Hochschultätigkeit, kaum zur Fortführung seiner Forschungsarbeit kommt.

1921 wird Fischer als Nachfolger von Wieland an die Technische Hochschule in München berufen, wo er sofort beginnt, einen großen und straff organisierten Mitarbeiterstab aufzubauen, der in Leistung und Ausstattung industrielle Maßstäbe erreicht. So werden bis Kriegsende ca. 60000 Mikroanalysen durchgeführt und die mechanisierte HCl-Fraktioniermethode zur Gewinnung der Chlorophyll- und anderer Naturstoffrohprodukte läuft jahrelang im Zweischichtbetrieb.
Zur Konstitutionsaufklärung der Pyrrolfarbstoffe zerlegt Fischer diese durch definierte Reaktionen in kleinere Bruchstücke, deren Struktur wiederum durch Synthese bewiesen werden muß. Auf diese Weise entsteht ein Überblick über die gesamte Chemie des Pyrrols, die von Fischer in einem dreibändigen Werk niedergelegt wird. Die Synthese der Pyrrolfarbstoffe ist wegen der immens vielfältigen Reaktionsmöglichkeiten der beteiligten Moleküle eine äußerst schwierige Aufgabe. Die erste Synthese eines Porphyrins ist 1926 ein enormer Erfolg. Als Fischer im Jahr 1928 die vollständige Synthese des Hämins gelingt, wird diese Leistung 1930 mit dem Nobelpreis gewürdigt.

Nachdem Willstätter 20 Jahre zuvor das Chlorophyll isoliert und untersucht, dieses Arbeitsgebiet jedoch verlassen hatte, wendet sich nun Fischer dem Blattfarbstoff zu. Er erkennt frühzeitig den isocyclischen Außenring, der das Molekül wesentlich vom Hämin unterscheidet und kann 1940 die Konstitution ganz aufklären.
Während es Fischer 1942 noch selbst gelingt, das Bilirubin zu synthetisieren, wird es noch bis 1960 dauern, als letztendlich Woodward, Strell und Treibs die Fischersche Chlorophyllformel durch zwei elegante Totalsynthesen bestätigen.
Als am Ende des Krieges sein Institut in Trümmern liegt und eine Wiederaufnahme der Forschungsarbeit auf lange Sicht unmöglich scheint, setzt Hans Fischer in tiefer Depression am Ostersamstag 1945 seinem Leben vorzeitig ein Ende.

© Copyright 2000, Dr. Eric Fontain, TUM